Eine Sünde wert

 

Frische Kräuter aus dem eigenen Garten werden langsam Mangelware, ein guter Grund, sich mit etwas zu beschäftigen, das es jetzt überall zu kaufen gibt: Äpfel.

Er ist nicht nur schmackhaft und gesund, der Apfel ist auch eine mythisch aufgeladene Frucht: Das beginnt, wie wir alle wissen, schon bei Adam und Eva. In dieser Geschichte hat der Apfel keinen guten Ruf, er ist quasi Schuld daran, dass wir nicht mehr im Paradies wohnen dürfen. Obwohl – in meiner Merian-Bibel wird nicht explizit vom Apfel gesprochen, dort heisst es lapidar: eine Frucht ... Aber – kleine Abschweifung – das haben Bibelübersetzungen so an sich: um das Thema den Menschen näher zu bringen, wurden Pflanzen aus dem Nahen Osten, die hier niemand kennt, ersetzt durch allseits Bekanntes.

 

Das lässt natürlich einen grossen Spielraum offen. Der biblische Apfel könnte ein Granatapfel oder eine Feige gewesen sein – oder eine uns ganz und gar unbekannte Frucht; wenn sie vom Baum der Erkenntnis stammt, muss es eigentlich eine Erkenntnisfrucht gewesen sein. Zwar ist mir eine solche noch nie begegnet, was aber ganz einfach daran liegen könnte, dass ich sie mangels Erkenntnis nicht erkannt habe.

Sieht sie so aus, die Erkenntnisfrucht?


Eine im Ansatz ähnliche Geschichte findet sich auch in der griechischen Mythologie. Persephone, die von Hades, dem Gott der Unterwelt geraubt wurde, war die Rückkehr in die Welt der Lebenden, also in das irdische Paradies, vesagt, weil sie von einem Apfel gekostet hatte. Soll zwar ein Granatapfel gewesen sein. Hier handelten die Götter immerhin einen Deal aus: Persephone durfte acht Monate auf der Erde weilen, die restlichen vier Monate musste sie in der Unterwelt verbringen. Dann ist ihre Mutter Demeter – die Göttin der Fruchtbarkeit, der Erde, des Ackerbaus und der Jahreszeiten – so traurig, dass in dieser Zeit keine Pflanzen blühen, nichts wächst, die Natur in Schlaf verfällt. Wir kennen diese Zeit als Winter; und der Blick aufs Thermometer sagt uns, dass der armen Persephone bald wieder ihre Reise zu Hades bevorsteht.

In der Vorstellungswelt der Kelten war der Apfel ebenfalls mit der Unterwelt verknüpft, dies jedoch durchaus positiv. Der Apfel war die Frucht der Unsterblichkeit. Er stand für den Weg in die Anderswelt, in das Reich der Götter, der Elfen und der Ahnen. Auf Avalon reichte die Totengöttin Morrigan den Verstorbenen einen Apfel als Eintritt ins Totenreich. Alle, die in jungen Jahren "Die Nebel von Avalon" verschlungen haben, kennen natürlich diese Insel der Apfelbäume, die in dichtem Nebel verborgen liegt, aus der Artussage. Dort existieren zur gleichen Zeit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nebeneinander, und manchmal kann man durch den Nebel hindurch einen Blick in die andere Zeit werfen.

Der Weg in eine andere Welt?


Und dabei kannten die Kelten noch nicht mal die unzähligen feinen Apfelsorten, die wir heute haben: ursprünglich waren hier die eher kleinen, eher herb schmeckenden Holzäpfel verbreitet. Es waren wieder einmal die Römer, die den uns heute bekannten veredelten Kulturapfel hierhin brachten. Ursprünglich kommt er wohl aus Zentral- und Westasien.

 

Und was haben all dies alten Geschichten mit dem Apfel heute zu tun? Fest steht: Äpfel sind gesund. Sie steigern die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit, weil der Körper den Fruchtzucker sofort aufnimmt und schnell in Energie umwandelt. Und genial: Ein Apfel vor dem Schlafengehen soll Schlafstörungen verhindern, und am Morgen hilft ein Apfel beim Wachwerden. Dazu hat der Apfel viel Vitamin C (ein Apfel deckt etwa den halben Tagesbedarf davon), das die Abwehrkräfte stärkt, und mehr als 30 Mineralstoffe und Spurenelemente, die beim roh essen ihre Wirkung optimal entfalten können.

 

Und man sagt, dass wer an Heiligabend einen Apfel isst, im kommenden Jahr Glück haben wird. Bis dahin dauert es noch eine Weile, doch das Ausprobieren lohnt sich sicher!


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Kommentare: 2
  • #1

    Viola (Mittwoch, 01 November 2017)

    super schöne öpfelbricht!

  • #2

    a+j (Donnerstag, 02 November 2017 22:38)

    Alweer,prachtig verhaal en heerlijk rezept !!!