Und sie wirken doch! Aber wie eigentlich?

Es ist wieder soweit – in Tram und Bus wird gehustet und geschnieft, im Büro bleiben die Sessel leer, weil die Grippe zugeschlagen hat. Für mich die Zeit, in der die Heilpflanzen zeigen können, was sie draufhaben. Oft werden Heilpflanzen als Hokuspokus abgetan, Placebo und so. Aber sie wirken schon. Doch wie?

Heilpflanzen, die in der Natur wild wachsen und nicht extra gehegt und gepflegt werden, müssen schauen, wie sie über die Runden kommen. Dazu bilden sie viele Wirkstoffe aus. Nicht, um uns Menschen Gutes zu tun, sondern ganz egoistisch, um sich selber am Leben zu erhalten: mit Farben und Geruch locken sie Insekten zur Bestäubung an, Gerb- und Bitterstoffe schützen sie vor gefrässigen Tieren sowie vor Bakterien, Viren oder Pilzen und viele andere Stoffe unterstützen sie generell bei Wachstum und Entwicklung. Und all diese Stoffe können auch auf uns Menschen wirken.

 

Auch in der Wissenschaft angekommen

 

Dass sie tatsächlich wirken, wurde mittlerweile für viele Pflanzenstoffe wissenschaftlich nachgewiesen und zeigt sich auch daran, dass die Pharmaindustrie viel davon übernommen hat. Etwa die Salicylsäure, die auch in der Salweide vorhanden ist, im bekannten Medikament Aspirin. Man könnte die Weidenrinde abschälen und sich dann selber ein Medikament brauen, ist aber im Bedarfsfall ein wenig kompliziert. Da greife auch ich ganz pragmatisch auf die fixfertige Tablette zurück. Oder der Wirkstoff Digitalis aus dem Fingerhut, der für Herzmedikamente eingesetzt wird (Achtung: giftig und darf nicht selber ausprobiert werden). In jeder Pflanze findet sich ein Cocktail aus verschiedenen Wirkstoffen. Das macht es teilweise auch schwierig, einzelne Stoffe als heilkräftig zu bestimmen, weil das was wirkt, oft eben genau diese Kombination aus verschiedenen Elementen ist.

 

Immer noch skeptisch? Dass Pflanzenwirkstoffe wirken, zeigt sich auf drastische Weise bei den giftigen Pflanzen. Es gibt ja einige Blumen, Beeren und Pilze, von denen man besser die Finger lässt. Die Wirkungen gehen von Übelkeit und Kopfschmerzen bis zur terminalen Wirkung, die man nicht überlebt. Aber keine Angst: solche Pflanzen stelle ich in meinem Herblogarium nicht vor. Generell gilt: beim Selbersammeln nichts ausprobieren, das man nicht kennt, sondern sich zuerst informieren!

 

Viele der Wirkstoffe sind einfach zu extrahieren und sind auch nicht schädlich. Vielleicht wirken sie nicht so gezielt wie ein konzentrierter Wirkstoff in einem Medikament, aber bei kleinen Wehwehchen können sie ein solches gut ersetzen.

 

Was hilft bei Grippe und Erkältung

 

Da viel trinken bei Grippe und Erkältung empfohlen wird, ist Teetrinken angesagt. Besonders gut helfen Lindenblüten bei Fieber, Kamille gegen Entzündungen, Thymian und Eibischwurzel bei Husten und Salbei gegen Halsschmerzen. Man kann ruhig auch das trinken, was einem schmeckt: Pfefferminze, Verveine, Melisse, Hagebutte, Fenchel. Einfach ab und zu abwechseln.

 

In der Apotheke oder im Reformhaus findet man diese Heilpflanzen als offenen Tee und biologisch angebaut. Es lohnt sich, denn das Aroma und die heilkräftigen Bestandteile sind stärker als in Beuteltees. Obwohl - bei einer Grippe muss es unkompliziert sein, und da hat man oft gerade noch genug Kraft, einen Beutel zu überbrühen. Hauptsache trinken!

 


Monatsblatt Januar 2017 - Rezepte mit Ingwer und ohne

Im Monatsblatt findet ihr einige ganz einfach umzusetzende Rezepte, um Erkältungen und Grippe im Zaum zu halten. Auf das Bild klicken, um es zu vergrössern.

 


Eine unvollständige Übersicht über  die Pflanzenwirkstoffe

  • Anthocyane: rot-blau-violette Farbstoffe; schmerz- und entzündungshemmend, antibakteriell
  • Ätherische Öle: bestimmen den Geruch der Pflanze; desinfizierend im Salbei, Fenchel, Anis, Rosmarin
    Alkaloide: sind besonders in Giftpflanzen enthalten; entkrampfend, keim- und pilztötend
  • Bitterstoffe: stimulieren den Stoffwechsel, fördern die Verdauungssäfte von Magen, Bauchspeicheldrüse und Galle; in Hopfen und Enzian
  • Cumarine: intensiver Duft, z.B. im Waldmeister
  • Flavonoide: gelblich-orange Farbstoffe, schützen die Pflanzen vor UV-Licht; festigend auf Blutgefässe, entzündungshemmend, krampflösend, wassertreibend
  • Gerbstoffe: schützen die Pflanze vor Fäulnis und Feuchtigkeitsverlust; heilen Entzündungen von haut und Schleimhaut, bilden einen Schutzschild gegen eindringende Krankheitserreger; in Walnussblättern, Himbeerblättern
  • Glykoside: die Gruppe der herzwirksamen Glykoside wirken auf den Herzmuskel, beeinflussen Herzrhythmik und Herzdynamik positiv, stärken das Herz
  • Kieselsäure: Stärkt Haut, Haare, Nägel und Bindegewebe
  • Saponine: helfen der Pflanze bei der Aufnahme von Wirkstoffen; lösen Schleim, wirken schweisstreibend und krampflösend
  • Scharfstoffe: antibiotisch, durchblutungsfördernd und regen die Drüsensekretion an; in Meerrettich, Senf, Zwiebel, Knoblauch
  • Schleimstoffe: verhindern Austrocknung, z.B. beim Keimen des Pflanzensamens; überzieht entzündetes, krankes Gewebe, z.B. die Schleimhäute, Schutz vor Infekt auslösenden Erregern; in Arnika, Ringelblume, Kamille, Eibisch,
  • Vitamine, Mineralien, Spurenelemente: bauen Zellstrukturen auf und aktivieren Stoffwechselprozesse

Rosmarin oder Salbei können das ganze Jahr hindurch geerntet werden, zumindest theoretisch. In der Praxis ist es gerade ein wenig schwierig ...

Im Sommer sieht es im Kräutergarten so aus. Hier kann ich mich jeden Tag mit frischen Kräutern versorgen.



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Kommentare: 1
  • #1

    Lorna Rowlett (Freitag, 03 Februar 2017 13:48)


    You really make it appear really easy along with your presentation but I in finding this topic to be actually something that I think I might by no means understand. It kind of feels too complicated and extremely large for me. I am looking ahead to your next put up, I'll attempt to get the hold of it!